Seminar zum Thema Stress im Sommersemester
Im Sommersemester 2025 bietet das 3ioS-Team ein interdisziplinäres Seminar zum Thema Stress an. Das heutige Verständnis von Stress ist untrennbar mit (medizin)technischen Entwicklungen des 20. und 21. Jahrhunderts verbunden. Der Begründer der modernen Stressforschung, Hans Selye, entlehnte das Konzept ‚Stress‘ der physikalischen und ingenieurwissenschaftlichen Materialforschung und gab damit neuen Anpassungsansprüchen in modernen, industrialisierten Gesellschaften eine mechanistische Verständnisgrundlage. Mit der Entwicklung von Biomonitortechnologien (EKG, EEG sowie Puls-, Atemfrequenz-, Blutdruck- und Temperaturüberwachung) wurde Stress ‚mess-‘ und ‚kontrollierbar‘. Weiterentwickelte und miniaturisierte Biomonitorapparate – s.g. wearables wie z.B. smartwatches, fitbits, etc. – bilden eine Grundlage für Stressmanagement als alltägliche menschlich-maschinelle Selbsttechnik der Gegenwart.
Im Seminar sollen historische medizintechnische Geräte aus der Sammlung interdisziplinär geistes- und technikwissenschaftlich beforscht werden. Es findet im Rahmen des Temporären Objektlabors (TOL) statt. Im TOL verschaffen wir uns zunächst gemeinsam einen Überblick über die Historische Medizintechnische Sammlung und erlernen theoretische und praktische Herangehensweisen der materiellen Kultur- und Geschichtswissenschaft sowie der Objekt- und Sammlungsforschung. Gemeinsam mit dem Physiker und Zeitzeugen Hartmut Lehmann versuchen wir, die Geräte der Sammlung wieder Instand zu setzen. Auf Basis dieser praktischen Forschung sowie Objektrecherchen entwickeln wir im Verlauf des Semesters in interdisziplinärer Projektarbeit eigene Forschungsfragen und Inszenierungsmöglichkeiten (z.B. in Form eines Videos, einer szenischen Lesung oder einer Ausstellung) für ausgewählte Sammlungsstücke.